Neukunden-Angebot: 10% günstiger als Instant Quoting. Mehr erfahren.
Fugtriebwerke aus Titan als Titanlegierung Anwendungsbeispiel

Titan und Titanlegierungen: Anwendungen & Eigenschaften

Author Photo

Titan und Titanlegierungen überzeugen mit Leichtigkeit, Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit. Doch welche Legierung passt wirklich zu Ihrer Anwendung? Dieser Beitrag befasst sich mit der Klassifizierung von Titanlegierungen, den gängigen Sorten, Vor- und Nachteilen sowie Anwendungen. Ein Leitfaden.

Was sind Titanlegierungen?

Titanlegierungen sind metallische Werkstoffe, bei denen Titan als Hauptbestandteil mit anderen Elementen chemisch kombiniert wird. Die chemische Zusammensetzung bestimmt dabei das Gefüge und die mechanischen Eigenschaften des Werkstoffs. Als Legierungselemente kommen häufig Aluminium, Vanadium, Molybdän oder Eisen zum Einsatz.

Gefügestruktur: Alpha- und Beta-Legierung

Titan kann in zwei Kristallstrukturen vorliegen – der hexagonalen α-Phase und der kubisch-raumzentrierten β-Phase. 

  • Alpha-Legierungen zeichnen sich durch gute Schweißbarkeit, Hochtemperaturfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit aus. 
  • Beta-Legierungen ermöglichen höhere Festigkeiten bei guter Verformbarkeit und lassen sich gut wärmebehandeln. 
  • Alpha-Beta-Legierungen kombinieren beide Phasen; der bekannteste Vertreter ist Ti-6Al-4V (90 % Titan, 6 % Aluminium, 4 % Vanadium).

Je nach Legierung unterscheidet sich die Festigkeit deutlich. Die verschiedenen Festigkeitsstufen bestimmen maßgeblich, für welche Anforderungen einzelne Legierungen geeignet sind.

  • Schwächere Legierungen wie Grade 1 bis 4 halten Zugkräften von 345 bis 550 MPa stand. 
  • Mittlere Legierungen wie Grade 5 erreichen 550 bis 900 MPa. 
  • Die stärksten Legierungen überschreiten 900 MPa.

Die Einteilung erfolgt nach internationalen Normen wie ASTM oder ISO. 

  • Grade 1 enthält 99 % reines Titan mit sehr hoher Korrosionsbeständigkeit und Duktilität. 
  • Grade 2 ist das am weitesten verbreitete Titan. 
  • Grade 3 und 4 weisen mit steigendem Sauerstoffgehalt zunehmende Festigkeit auf. 
  • Grade 5 (Ti-6Al-4V) ist die gebräuchlichste hochfeste Titanlegierung.

Zugfestigkeit, Streckgrenze, Härte, Duktilität und Ermüdungsfestigkeit variieren je nach Zusammensetzung und Wärmebehandlung. Besonders hervorzuheben ist das hohe Festigkeit-zu-Dichte-Verhältnis. 

Was sind die Vorteile von Titan?

Als leichter Hochleistungswerkstoff mit herausragender Korrosionsbeständigkeit bieten Titanlegierungen entscheidende Vorteile in den Bereichen Strukturleichtbau, Langlebigkeit und Biokompatibilität.

  • Außergewöhnliches Festigkeit-zu-Gewicht-Verhältnis: Titanlegierungen haben eine Dichte von nur 4,5 g/cm³. Je nach Legierung sind Zugfestigkeiten von bis zu 1.400 MPa möglich. Damit sind sie im Leichtbau oft besser als viele Stähle.
  • Hervorragende Korrosionsbeständigkeit: Eine stabile natürliche Oxidschicht schützt den Werkstoff zuverlässig vor aggressiven Medien, Salzwasser und chemischen Einflüssen.  Eine zusätzliche Beschichtung ist nicht notwendig. 
  • Gute Temperaturbeständigkeit bis 400 °C: Unterhalb dieser Grenze behalten Titanlegierungen ihre mechanischen Eigenschaften weitgehend bei. Denn sie weisen eine gute Kriechfestigkeit auf. Oberhalb von 400 °C nehmen die Festigkeitseigenschaften jedoch merklich ab.
  • Biokompatibilität: Der Werkstoff wird vom menschlichen Körper toleriert. Daher eignet er sich für den dauerhaften Einsatz als Implantat oder Prothese.
  • Hohe Ermüdungsfestigkeit: Unter Wechselbelastung zeigen Titanlegierungen eine überdurchschnittlich lange Lebensdauer, was Wartungsintervalle reduziert und die Gesamtbetriebskosten senkt.

Was sind die Nachteile von Titan?

Der Einsatz dieses Leichtmetallwerkstoffs bietet hohe Leistungsfähigkeit, ist jedoch mit erheblichen wirtschaftlichen und verarbeitungstechnischen Hürden verbunden.

  • Hohe Materialkosten: Die aufwendige Gewinnung und Verarbeitung machen Titan deutlich teurer als Stahl oder Aluminium.
  • Komplexe Bearbeitung: Die geringe Wärmeleitfähigkeit führt zu starker Werkzeugbelastung. Das erfordert langsame, kostenintensive Zerspanungsprozesse. Beim Schweißen ist zudem zwingend eine Schutzgasatmosphäre erforderlich, um Oxidation zu verhindern.
  • Schlechte tribologische Eigenschaften: Die Laufeigenschaften gegen andere Oberflächen sind ungünstig, weshalb Titanbauteile in bestimmten Anwendungen zusätzliche Beschichtungen benötigen.
  • Eingeschränkte Verfügbarkeit: Titan ist ein Spezialwerkstoff und nicht immer auf Lager. Das kann Lieferzeiten verlängern und Projekte verzögern.
  • Risiko des Overengineerings: Für viele Standardanwendungen sind Titanlegierungen zu aufwendig. Oft bleiben günstigere Alternativen wie hochlegierte Stähle oder Aluminiumlegierungen ungenutzt.

Welche typischen Anwendungen von Titanlegierungen gibt es?

Titanlegierungen sind aufgrund ihrer einzigartigen Kombination aus geringem Gewicht, hoher Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit in zahlreichen Branchen etabliert. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Anwendungsfelder.

Branche

Typische Anwendungen

Luft- & Raumfahrt

Triebwerke, Flugzeugzellen, Fahrwerke

Medizintechnik

Medizinische Implantate, Prothesen, chirurgische Instrumente, medizinische Geräte

Automobilindustrie

Motorkomponenten, Auspuffanlagen, Fahrwerksteile

Schifffahrt & Meerestechnik

Schiffsrümpfe, Unterwasserpipelines, Entsalzungsanlagen

Chemische Industrie

Wärmetauscher, Reaktoren, Rohrleitungen

Konsumgüter & Sport

Fahrradrahmen, Golfschläger, Uhrengehäuse

Titanlegierungen: Übersicht gängiger Sorten

Sorte

Grade

Legierungselemente

Fertigungsverfahren

Typische Anwendung

Reintitan

Grade 1

Keine (O₂ sehr niedrig)

Kaltumformung, Tiefziehen, Schweißen

Plattenwärmetauscher, chemische Auskleidungen

Reintitan

Grade 2

Keine (Standard)

Schweißen, Walzen, Schmieden, spanende Bearbeitung

Rohrleitungen, Apparatebau, Medizintechnik

Reintitan

Grade 4

Keine (höherer O₂-Gehalt)

Schmieden, spanende Bearbeitung, eingeschränkte Kaltumformung

Chirurgische Instrumente, Flugzeugbauteile

Alpha-Beta

Grade 5

6 % Al, 4 % V

Schmieden, Fräsen, Wärmebehandlung, additive Fertigung

Triebwerke, Flugzeugbau, Sportwagenbau

Alpha-Beta

Grade 9

3 % Al, 2,5 % V

Kaltwalzen, Schweißen, Rohrfertigung

Luft- und Raumfahrt, chemische Verarbeitung, Medizintechnik

Alpha-Beta

Grade 23

6 % Al, 4 % V, 0,13 % O₂ (ELI)

Schmieden, spanende Bearbeitung, additive Fertigung

Medizinische Implantate (Hüfte, Knie, Zähne)

Spezial-Leg.

Grade 7

0,12–0,25 % Palladium

Schweißen, Walzen, spanende Bearbeitung

Chemieanlagen in extrem aggressiver Umgebung

Spezial-Leg.

Grade 12

0,3 % Mo, 0,8 % Ni

Schweißen, Walzen, Rohrfertigung

Wärmetauscher, chemische Verarbeitung, Entsalzung

Welche Alternativen zur Titanlegierung gibt es?

Je nach Anforderungsprofil gibt es geeignete Werkstoffe, die Titanlegierungen in bestimmten Anwendungen ersetzen können.

  1. Kosten senken: Stahl und Edelstahl. Wer die Materialkosten reduzieren möchte, greift häufig auf hochlegierte Stähle oder Edelstähle zurück. Beide Werkstoffe bieten solide Festigkeit und ausreichende Korrosionsbeständigkeit zu einem Bruchteil des Titanpreises. Für viele Standardanwendungen in der Chemie- oder Lebensmittelindustrie sind sie die wirtschaftlich sinnvollere Wahl. Das höhere Gewicht muss toleriert werden.
  2. Gewicht reduzieren: Aluminium, Magnesium und CFK. Aluminiumlegierungen sind leichter und günstiger als Titan, erreichen jedoch geringere Festigkeiten und sind weniger temperaturbeständig.  Magnesiumlegierungen bieten als leichtestes Strukturmetall maximale Gewichtsreduktion, büßen dafür aber Festigkeit und Korrosionsbeständigkeit ein. Kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) haben das beste Festigkeit-zu-Gewicht-Verhältnis. Sie sind aber schwerer zu recyceln. Die Herstellung ist zudem aufwendiger.
  3. Hohe Temperaturen: Nickel-Superlegierungen. Oberhalb von 400 °C stoßen Titanlegierungen an ihre Grenzen. Nickel-Superlegierungen wie Hastelloy oder Inconel sind in diesem Bereich die erste Wahl. Sie sind temperatur- und korrosionsbeständiger, jedoch schwerer und teurer als Titan.
  4. Medizinische Anwendungen: Kobalt-Chrom-Legierungen. In der Implantat- und Medizintechnik gibt es kaum gleichwertige Alternativen zu Titan. Kobalt-Chrom-Legierungen werden ebenfalls für Prothesen und Implantate eingesetzt. Sie weisen jedoch eine geringere Biokompatibilität auf und sind daher meist die zweite Wahl.

Ihr Titan-Lieferant: FACTUREE

Suchen Sie einen zuverlässigen Partner für Zeichnungsteile aus Titan und Titanlegierungen? FACTUREE bietet Ihnen moderne Online-Fertigung mit geprüften Fertigungspartnern, schnellen Lieferzeiten und zertifizierte Güte des Materials. Profitieren Sie von moderner Online-Fertigung, schnellen Lieferzeiten und zertifizierter Materialqualität – inklusive Werkstoffnachweisen und präziser Umsetzung nach Zeichnung.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Neuigkeiten

alle Neuigkeiten